Unser pädagogisches Konzept

Wer wir sind

LeiKiLa e.V. ist ein Verein zur Förderung bindungsorientierter Erziehung. Wir haben eine Elterninitiative gegründet, um unsere Idee von einer familienzentrierten Klein-Kita umzusetzen. Wir wollen einen Ort schaffen, an dem unsere Kinder Geborgenheit, Nähe, Zuwendung und ein liebevolles Miteinander erfahren können. Uns ist es wichtig, dass zwischen Eltern, Kindern und BegleiterInnen eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit entsteht. Wichtigstes Ziel unserer Klein-Kita sind gute und stabile Bindungen zwischen Kindern, BegleiterInnen und Eltern. Die LeiKiLa-Kita will eine erweiterte Familie sein. Wir Eltern sind integraler Bestandteil unserer Kita. Wir organisieren und gestalten im Rahmen einer Elterninitiative aktiv mit.


Idee

Unsere familienzentrierte und bindungsorientierte Klein-Kita will 36 Kindern einen weiteren Lebensmittelpunkt neben dem Elternhaus bieten. In kleinen, individuellen Gruppen können unsere Kinder ihre Potentiale im sozialen Miteinander entfalten. Gleichwürdigkeit, Geborgenheit und Achtsamkeit sind die Grundlagen des erziehungspartnerschaftlichen Dialogs in unserer Klein-Kita. Wir möchten die Natur als beständigen natürlichen Begleiter unserer Kinder wissen und viel Zeit im Freien verbringen. Für die Umsetzung unseres bindungsorientierten Konzepts streben wir einen Betreuungsschlüssel von maximal acht Kindern pro BegleiterIn an. Die zwei Gruppen in unserer Kita sind altersgemischt und werden von Kindern im Alter von 3 Jahren bis zu Einschulung besucht. Jede Gruppe wird von zwei BezugsbegleiterInnen, im Idealfall von einem weiblichen und einem männlichen Pädagogen, betreut. Zudem planen wir, im Rahmen von Integration und Inklusion, Plätze für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf anzubieten, die von speziell ausgebildetem Fachpersonal begleitet werden.


Elternmitarbeit

Wir verstehen unsere Kita als Erweiterung des Lebens in der Familie. Das bedeutet, dass die Eltern in verschiedenen Bereichen aktiv am Kita- Alltag beteiligt sind. Die Begleitung der Kinder basiert auf einer engen Zusammenarbeit zwischen BegleiterInnen und Eltern, damit die Kinder in ihren Entwicklungsmöglichkeiten individuell und optimal gefördert und unterstützt werden können. Es findet also ein regelmäßiger Austausch über die Entwicklung des Kindes zwischen Eltern und BegleiterInnen statt. Außerdem gestalten wir das Leben in unserer Kita gemeinsam. Die Eltern sind in organisatorische Abläufe eingebunden, unterstützen die BegleiterInnen z.B. bei Festen und Ausflügen, sowie im Krankheitsfall, helfen bei anfallenden praktischen Arbeiten wie Renovierungs- und Reparaturarbeiten. Die Eltern übernehmen als Träger der Kita auch Aufgaben in der Verwaltung, damit dadurch eingesparte Ausgaben in einen besseren Betreuungsschlüssel investiert werden können. Persönliche Interessen und Berufe der Eltern - in unserem Verein gibt es u.a. Musiker, Schauspieler, Journalisten, Filmemacher und Medienschaffende - werden in Form von Ideen und Anregungen oder Angeboten, z.B. Projekt- und Themenwochen, in den Kita-Alltag einfließen, diesen somit bunter und vielfältiger machen, um neue Impulse und soziale Kontakte bereichern.


Unsere pädagogischen Ansätze

In unserer Klein-Kita steht stehen stabile und intensive Bindungen im Mittelpunkt. Darüber hinaus stützen wir uns auf systemische und situationsorientierte Ansätze. Die Bindungstheorie geht davon aus, dass der Aufbau einer sicheren und entwicklungs-fördernden Beziehung eine der ersten und fundamentalsten Entwicklungsaufgaben für Kinder ist, die alle weiteren Entwicklungsabläufe maßgeblich beeinflusst. Bindung ist die besondere Beziehung eines Kindes zu Eltern oder Personen, die es beständig betreuen. Eine von intensiven Gefühlen begleitete Nähe zu ausgewählten Bezugspersonen herzustellen, ist ein eigenständiges, menschliches Grundbedürfnis. Nur das Vorhandensein dieser Bindungsperson, die die so genannte „sichere Basis“ darstellt, ermöglicht es dem Kind, sich offen und neugierig mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen. Durch verlässliche, einfühlsame Unterstützung erwirbt das Kind Selbstwertgefühl und das erforderliche Vertrauen in seine soziale Umgebung. Die systemische Pädagogik berücksichtigt, dass jeder Mensch immer auch Teil eines Systems ist, welches ihn beeinflusst und umgekehrt. So werden immer auch die Interaktionen der Kinder mit der Gruppe, der Umgebung und den BegleiterInnen einbezogen. Der situationsorientierte Ansatz nimmt die sozialkulturellen und psychologisch bedeutsamen Lebensbedingungen von Kindern und ihren Eltern in den Blick. Er basiert auf einem ganzheitlichen Menschenbild, das die Entwicklung aller Personen, die im Entwicklungsprozess eines Kindes involviert sind, einbezieht. Ziel ist es, die Entwicklung der Selbst-, Sach-, und Sozialkompetenz der Kinder zu unterstützen, um möglichst viele ihrer Ressourcen zu wecken und eine Entwicklung in all diesen Bereichen zu ermöglichen. Praktisch bedeutet dies, die Selbständigkeit der Kinder, ihre Autonomie und ihr soziales Verhalten auf der Grundlage eines werteorientierten Verhaltens zu aktivieren und weiterzuentwickeln.


Unser Bild vom Kind

Jedes Kind ist einzigartig. Damit es seine Einzigartigkeit, sein ihm eigenes Potential entfalten kann, braucht es sichere, intensive und lebendige Beziehungen, in denen es Schutz und Aufmerksamkeit und dadurch das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit erfährt. Dann kann es seinem angeborenen Entwicklungsdrang folgen und sich immer neuen Herausforderungen stellen. Wenn es die Freiheit bekommt, sich auf seine eigene Weise, in seinem eigenem Rhythmus entwickeln zu dürfen, erfährt es sich selbstwirksam und erwirbt Fähigkeiten nicht nur besser und bleibender, sondern macht auch wichtige Erfahrungen, die ihm bei der Lösung zukünftiger Probleme helfen. Durch die Achtung und Anerkennung seines Wesens, eine gleichwürdige Behandlung und das Vertrauen in seine Kompetenz, erwirbt es Selbstvertrauen. Es wird ein selbstständiger Mensch, der sich seine Neugierde und Kreativität bewahrt, sowie über ein tragendes Fundament und ein Wissen aus erster Hand verfügt, aus dem er ein Leben lang schöpfen kann.


Bildung durch Bindung

In der LeiKiLa-Kita steht die wichtige Beziehung zwischen Kindern und BegleiterInnen im Mittelpunkt. Wir wollen Kindern einen sicheren Ort bieten, an dem sie sich wohlfühlen und der Vertrauen schafft. Dies kann nur gewährleistet werden, wenn ein wertschätzender Umgang und das feinfühlige Annehmen der unterschiedlichen Gefühle und Bedürfnisse eines jeden Kindes vorgelebt wird. Wir möchten unseren Kindern in unseren Räumlichkeiten eine Atmosphäre von Geborgenheit und Achtsamkeit bieten, in der sie sich offenbaren können, das Zusammensein und die Interaktion mit den BegleiterInnen als schön und wertvoll empfinden. Die Bindung zu den BegleiterInnen soll Sicherheit geben, die es den Kindern ermöglicht, eigenaktiv ihre Umwelt zu erkunden. Besonders wichtig erscheint uns dabei, die individuellen Fähigkeiten und Kompetenzen der Kinder zu sehen und diese auf natürliche Weise zu fördern. "Wenn Kinder eine sichere Bindung haben, können sie viel besser lernen. Sie sind flexibler, kreativer, ausdauernder, haben eine bessere Gedächtnisleistung, können Lernstoff besser integrieren und sind prosozial" Dr. Karl Heinz Brisch Kinder bringen Neugier und Interesse mit, ihre Umwelt auf die eigene Art und Weise zu erforschen und zu entdecken. Wir möchten sie dabei begleiten, aber keine Lösungen und Erklärungen vorgeben. Kinder können ihre Umgebung besser erkunden, wenn sie sich bei einer Bindungsperson rückversichern können. In besonderer Weise wird die BegleiterIn dieser Aufgabe gerecht, wenn sie das Kind zu neuen Erkundungen anregt und ermutigt. „Kleine Kinder werden immer selbstständiger – in ihrem Denken, Fühlen und Handeln und erleben dadurch eine […] Entwicklung zu einer einzigartigen, sich entfaltenden Persönlichkeit.“ Jesper Juul Wir möchten Kindern und Eltern ermöglichen, einen sanften und ruhigen Übergang von der innigen Familienbetreuung in die Fremdbetreuung zu erleben. Dabei ist es wichtig, eine ähnliche sichere Basis aufzubauen, wie es die Kinder ab der Geburt kennengelernt haben. Denn wir wissen, dass sicher gebundene Kinder mehr Sicherheit in sich tragen und somit offener neue soziale Kontakte eingehen können, empathischer und kooperativer, unabhängiger und zielorientierter sind und Lust am Lernen und Erforschen zeigen. Deshalb ist der Aufbau einer sicheren Bindung zur BegleiterIn so wichtig. Dies ist nur in kleinen Gruppen mit niedrigem Betreuungsschlüssel möglich. Eine ausreichende Zahl von PädagogInnen ist für unsere Kita deshalb wichtig.


Pädagogische Arbeit und Bildungsbereiche

Wir sehen unsere Klein-Kita als Ort der Kommunikation, des sozialen Lernens und der Eigenaktivität des Kindes. Unsere pädagogische Arbeit wird durch die folgenden Schwerpunkte bestimmt: Aufgreifen und Thematisieren der Interessen, Ereignisse und Fragen der Kinder, ihre Partizipation in Gestaltungs- und Entscheidungsprozessen sowie offene Gruppen- und Projektarbeit. Dafür nutzen wir den Sächsischen Bildungsplan als Orientierungshilfe. Unsere Kita möchte den Kindern in allen Bildungsbereichen der sozialen, kommunikativen, ästhetischen, somatischen und naturwissenschaftlichen Bildung vielfältige Anregungen im Kita-Alltag bieten. Dabei fühlen wir uns von den Ansätzen von Herbert Renz-Polster, Gerald Hüther, Jesper Juul und Maria Montessouri inspiriert. Wir finden es wichtig, die Impulse unserer Kinder im Kita-Alltag aufzugreifen und sie dort abzuholen, wo sie mit Ihren Entdeckungen und Fragen gerade stehen. Eine kleine Kita mit ausreichend BegleiterInnen in jeder Kindergruppe macht es möglich, unseren Kinder zu erlauben "sich zu offenbaren", statt sie "zu formen" (Maria Montessouri). Denn jedes Kind besitzt, wie Herbert Renz-Polster schreibt, "den Trieb zur Selbsttätigkeit und Selbstwirksamkeit." Hier wollen wir ansetzen, unseren Kindern auf Augenhöhe begegnen, sie in ihren Gedanken, Anliegen und Wünschen ernst und wichtig nehmen. "Die Beziehung zwischen Kindern und Erwachsenen basieren auf denselben Elementen wie bei Erwachsenen: Es geht darum, anwesend zu sein, mit dem anderen im Gespräch zu stehen, den anderen zu akzeptieren." Jesper Juul Diese Voraussetzungen ermöglichen unseren Kindern, eine enge Beziehung zu anderen Kindern und den BegleiterInnen aufzubauen. In einer ihnen gewogenen Atmosphäre bauen sie Sicherheit und Selbstvertrauen auf, die sie ein Leben lang begleiten werden. So betont auch der Hirnforscher Gerald Hüther, dass das Selbstvertrauen sehr viel wichtiger ist als viele Formen frühkindlicher Bildung, denn das "einzige Gegenmittel gegen Verunsicherung und Angst ist Vertrauen. Wer kreativ sein will, braucht Vertrauen in sich selbst, in seine eigenen Fähigkeiten." Auch Jesper Juul betont die enorme Bedeutung der Anerkennung der Eigeninitiative, des Spieltriebs, der Ideen unserer Kinder. "Entscheidend ist, dass wir das, was wir tun, als sinn- und wertvoll erleben und dafür Unterstützung und Anerkennung erhalten." In diesem Sinne argumentiert auch Herbert Renz-Polster, wenn er zusammenfasst: "Kinder brauchen vor allem Beziehungen und genügend eigenes, freies Spiel." Um die Nachhaltigkeit von Lernprozessen zu gewährleisten und die Qualität unserer pädagogischen Arbeit zu sichern, ist die Dokumentation von großer Bedeutung. Sie ist Gesprächs- und Reflexionsgrundlage zwischen Kindern, BegleiterInnen und Eltern. Das Portfolio belegt die Entwicklung des Kindes, indem es die Lernprozesse auf ansprechende Weise (Bilder, Fotos, Collagen) erfasst. Es kann in regelmäßigen Intervallen bearbeitet oder spontan vom Kind und BegleiterInnen anlässlich eines aktuellen Erlebnisses gestaltet werden. Unser pädagogischer Ansatz ermöglicht eine integrative Arbeit, die das gemeinsame Leben und Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung unterstützt. Die ganzheitliche Entwicklung aller Kinder unter Berücksichtigung ihrer individuellen Bedürfnisse steht für uns im Vordergrund. In unserer Klein-Kita können Kinder mit unterschiedlicher Ausgangslage hinsichtlich ihrer individuellen Kompetenzen gemeinsam aktiv werden.

 

Gruppenstruktur und Tagesablauf

In unserer Klein-Kita soll es drei Gruppen zu je 12 Kindern geben, in denen die Kinder altersgemischt den Tag gemeinsam verbringen. Jedes Kind kann von älteren und jüngeren Kindern enorm für seine eigene Entwicklung profitieren. Wir legen größten Wert auf eine familiäre Atmosphäre, die nur geschaffen werden kann, wenn es eine ausreichende Zahl von BegleiterInnen gibt. Deswegen leiten jeweils zwei BegleiterInnen eine Gruppe, wobei wir es erstrebenswert finden, dass es einen männlichen und einen weiblichen BegleiterIn gibt. Wichtig ist uns, dass unsere Kinder verschiedene Möglichkeiten haben, sich auszuprobieren, zu toben und natürlich auch zur Ruhe zu kommen. Für all diese Bedürfnisse soll durch eine offene Gruppenkultur unseren Kindern Raum geboten werden. Wir achten darauf, wo die Kinder sich am wohlsten fühlen, damit jedes Kind seinen Platz und seine BegleiterIn finden kann. Der Gruppenalltag wird davon geprägt, welche Themen die Kinder gerade haben, sowohl inhaltlich als auch zwischenmenschlich. Wir wollen unseren Kindern Anregungen bieten, sie jedoch nicht überfordern oder überreizen, weshalb wir Angebote nach den Impulsen und Bedürfnissen der Kinder anbieten und anpassen. Wir verbringen viel Zeit in der Natur, denn die Natur ist ein wichtiger Lernraum für Kinder, in dem sie sich frei bewegen, erleben und entdecken können. Gemeinsam gestaltete Feste und Projekte, orientiert am natürlichen Jahresverlauf, gehören ebenso zum Gruppengeschehen. Altersgemischte Gruppen bedeuten auch, die Kinder in jeder Lebensphase zu unterstützen und vorzubereiten. Um hierbei auch den ältesten Kindern gerecht zu werden, wird es schulvorbereitende Aktivitäten geben, die wir durch die Zusammenarbeit mit den Eltern und durch die Kooperation mit einer Grundschule umsetzen werden.

 

Eingewöhnung

Wir alle brauchen für den Umgang mit Neuerungen in unserem Leben Zeit. Das ist die Zeit der Gewöhnung. Für Kinder ist der Übergang von der Familie in jedes neue Bezugssystem (Klein-Kita und Schule) ein neuer und herausfordernder Lebensabschnitt. Das ist der Grund, warum wir jedem einzelnen Kind so viel Zeit geben, wie es braucht, um sich an diesem neuen und einmaligen Umbruch zu gewöhnen. In ständiger Absprache mit den Eltern kann eingeschätzt werden, wo sich das Kind im Prozess der Eingewöhnung befindet und wie der weitere Verlauf gestaltet werden kann. Die Eingewöhnung braucht nicht nur Zeit, Geduld und Vertrauen in BegleiterInnen und Kind, sondern auch Empathie, Verständnis und Akzeptanz auf allen Seiten.

 

Rituale und Rhythmen

Rituale strukturieren den Tagesablauf und geben den Kindern Geborgenheit und Sicherheit. Sie wissen so, an welcher Stelle des Tages sie sich befinden und was als nächstes kommt bzw. was sie noch erwartet. Sie erleben sich als mitgestaltend. Im gemeinsamen Morgenkreis versammeln sich alle Kinder und BegleiterInnen für einen gemeinsamen Tagesbeginn. Die alltägliche Tagesstruktur, bestehend aus Ankommen, freiem Spiel und Angeboten, den Mahlzeiten, Aufräumen, Schlaf- und Ruhezeiten und dem Abgeholt-Werden, vermittelt den Kindern einen Rahmen, in dem sie sich bewegen können und der ihnen feste Ankerpunkte zur Verfügung stellt. Gruppeninterne Abschlusskreise sollen den Kindern das Ende des Kindergartentages anzeigen und ihnen in ihrer Gruppe das Erzählen und Reflektieren ermöglichen. Den Abschlusskreis gestalten wir bewusst in der eigenen Gruppe, damit im kleineren Kreis jedes Kind die Möglichkeit hat, zu Wort zu kommen. Einige Kinder benötigen den Mittagschlaf, andere nicht. Deshalb soll es, in Absprache mit den Eltern, Ruhe- und Schlafzeiten geben, so dass den jeweiligen Bedürfnissen der Kinder entsprochen werden kann. Viele Rituale entstehen im Laufe der Zeit und gemeinsam mit den Kindern. Diese werden sich immer wieder verändern und den jeweiligen Gegebenheiten angepasst. Die BegleiterInnen werden solche Rituale aufnehmen und sie entsprechend der Gruppenstruktur gestalten.