Jugendamt lenkt ein

Geschrieben von Daniel Bäde

 

 

Mal wieder stand unser Kita-Gründungsprojekt kurz vor dem Aus!

 

Das Jugendamt hatte unseren Projektantrag abgelehnt und uns somit unmissverständlich erklärt, dass kleine Elterninitiativ-Kitas in Leipzig nicht unterstützt werden.Als Gründe für die Ablehnung wurden vom Jugendamt folgende Punkte aufgeführt:

 

zu hohe Kosten: die Kosten übersteigen den üblichen Kostenrahmen einer Kindertagesstätte
Unsere Meinung: Wir haben in unserem Projektantrag mit beiliegender Kostenschätzung des Architekten und Bauherren deutlich aufgezeigt, dass die Investitionskosten nicht den in Leipzig üblichen Rahmen von 14.700€ pro Platz übersteigen

 

 

zu wenig Kita-Plätze: gewünscht/gefordert sind von der Stadt Kitas mit einem Platzangebot von mind. 75 Plätzen

Unsere Meinung: Laut Sächsischem Kitagesetz (SächsKitaG) §9 "Trägerschaft" können Kindertageseinrichtungen insbesondere auch von Elterninitiativen betrieben werden. Laut Dachverband für Elterninitiativen Bage e.V. in Berlin können Elterninitiativen vor allem in der Startphase nicht die vom Jugendamt gewünschte Mindestanzahl von 75 Plätzen erreichen. Diese hohe Anzahl von Plätzen ist weiterhin untypisch für Eltern-Initiativen, da ein besonderes Merkmal dieser Initiativen die enge Zusammenarbeit und große Zusammenhalt der Eltern ausmacht. Dies ist nur in kleinen Größen umsetzbar. 

 

mangelnde Betriebssicherheit aufgrund zu geringer Anzahl von ErzieherInnen. 
Unsere Meinung: Dieses Argument ist nicht nachvollziehbar. Es gibt in Deutschland mehr als 7000 Kita-Elterninitiativen, welche ca. 200000 Kinder betreuen bei denen es in diesem kleinen Format sehr gut funktioniert. Das dies in Leipzig nicht funktionieren soll, läge weniger an der zu geringen Anzahl von ErzieherInnen sondern eher an der Haltung des Jugendamtes.

 

Nachdem wir die Ablehnung unseres Gründungsvorhabens vom Jugendamt telefonisch erhalten hatten, waren wir schockiert. Wir hatten bisher alle Auflagen und Anforderungen des Jugendamtes eingehalten und haben sogar auf eine eigene Trägerschaft verzichtet, um das Risiko für das Jugendamt gering zu halten. Dennoch wurde unser Antrag abgelehnt. Wir waren alle sehr verärgert und entschlossen uns, die breite Öffentlichkeit für unser Problem zu sensibilisieren. Wir bereiteten bereits unsere Öffentlichkeits-Kampagne "Jetzt reichts!-Jetzt kämpfen wir für unsere Kita" umfassend vor, als uns ein Telefonat vom Jugendamt erreichte. Wir wurden zu einen Gesprächstermin eingeladen, um mit uns die Rahmenbedingungen und Personalkosten zu diskutieren. Weiterhin wurde uns mitgeteilt, dass die Ablehnung unseres Vorhabens zurückgezogen wurde. 

Wir wissen heute, dass sich Mitarbeiter im Jugendamt für uns eingesetzt haben und sich bei den entsprechenden Entscheidern über die Ablehnung beschwert haben.Dieses Auf und Ab kann sehr ermüdend sein und wir waren ziemlich aufgewühlt, da wir nun erstmal unsere Kampagne zur Seite legen und den Termin mit dem Jugendamt abwarten mussten. Bei dem Gesprächstermin mit dem Jugendamt wurde uns noch einmal persönlich mitgeteilt, dass die Ablehnung unseres Vorhaben zurückgezogen wurde und wir unser Kita-Gründungsprojekt fortsetzen können. Bezüglich Personalkosten wurden wir darauf hingewiesen, dass die Stadt nicht bereit bzw. nicht in der Lage ist, über den im SächsKitaG festgelegten Personalschlüssel hinaus zu finanzieren. Wir bekommen demnach bei 36 Plätzen lediglich 3 Fachkräfte. Wir hatten gehofft, dass wir wegen unseres bindungsorientierten Schwerpunktes mehr Personal von der Stadt finanziert bekommen. Das dem nun nicht so ist, ist bei dem schlechten Betreuungsschlüssel in Sachsen (bundesweit mit 1:13 fast Schlusslicht!!) nicht erfreulich und wir müssen sehen, wir wir perspektivisch eine qualitative, bindungsorientierte Betreuung unserer Kinder sicherstellen können. Dass wir unser Vorhaben nun fortsetzen können, hat uns alle sehr gefreut, auch wenn wir diese Ab-und Zusagen nicht nachvollziehen können und dies auch nicht als gute Unterstützung der Stadt wahrnehmen. Wir stehen auf dem Standpunkt, dass man uns bestmöglich unterstützen sollte, da es in Leipzig immer noch einen großen Mangel an Kitaplätzen gibt (im Dezember 2014 fehlten in Leipzig immer noch mehr als 4000 Kitaplätze). Zumindest erwarten wir, dass uns die Stadt keine Steine in den Weg legt, sodass wir unser Gründungsprojekt zügig fortsetzen können. Unser Gründungsantrag wird nun bei der Stadtkämmerei vorgelegt und dort hoffentlich ohne Probleme genehmigt. Unser Ziel ist der Beginn der Umbauphase im September diesen Jahres, sodass wir die Kita im Juni 2016 eröffnen können.

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